Sehnen­beschwerden

Seh­nen­be­schwer­den sind oft sehr hart­nä­ckig. Sie kön­nen sich an unter­schied­li­chen Orten bemerk­bar machen, wie zum Bei­spiel an der Hüf­te, am Knie, an der Achil­les­seh­ne und an der Fuß­soh­le („Fer­sen­sporn“). Wich­tig ist, dass sich ein Arzt oder gut aus­ge­bil­de­ter MSK Phy­sio­the­ra­peut die­ses Pro­blem ansieht, denn nur geschul­tes medi­zi­ni­sches Per­so­nal kann ande­re Ursa­chen für dei­ne Pro­ble­ma­tik aus­schlie­ßen. Ande­re Struk­tu­ren wie Beschwer­den von peri­phe­ren Ner­ven, Beschwer­den der Wir­bel­säu­le und so wei­ter kön­nen sich als Seh­nen­be­schwer­den „mas­kie­ren“ und benö­ti­gen eine ande­re The­ra­pie als die im fol­gen­den Arti­kel beschrie­be­ne. Die rich­ti­gen Übun­gen, zum rich­ti­gen Zeit­punkt, rich­tig durch­ge­führt und das alles für die richtige/passende Dia­gno­se! 

Der fol­gen­de Text bezieht sich vor allem auf Ten­di­no­pa­thien (Seh­nen­be­schwer­den) der unte­ren Extre­mi­tät (Hüf­te, Knie, Fuß). Ten­di­no­pa­thien des Ell­bo­gens und der Schul­ter wer­den hier nicht beschrie­ben, da die Behand­lung der obe­ren Extre­mi­tät (Schul­ter, Ell­bo­gen, Hand) sich zwar in man­cher Hin­sicht mit dem hier beschrie­be­nen Text deckt, jedoch in der Behand­lung etwas anders ist.

Der Begriff Ten­di­no­pa­thie (frü­her Ten­di­ni­tis bzw. Ten­di­no­se) bezieht sich nor­ma­ler­wei­se auf abnor­ma­les Seh­nen­ge­we­be bzw. Seh­nen­schmer­zen. Die­se Ten­di­no­pa­thie kön­nen im Bereich der Hüf­te, des Knies, im Bereich der Achil­les­seh­ne und an der Fuß­soh­le (fälsch­li­cher­wei­se oft als Fer­sen­sporn dia­gnos­ti­ziert) auf­tre­ten. Schmer­zen sind nor­ma­ler­wei­se schlim­mer wäh­rend oder nach belas­ten­den Akti­vi­tä­ten. Oft­mals beschrei­ben z.B. Läu­fer auch Schmer­zen zu Beginn, die dann nach ein paar Minu­ten ver­schwin­den und dann nach einer gewis­sen Lauf­stre­cke wie­der­auf­tre­ten und den Läu­fer oft auch zwin­gen mit dem Lau­fen auf­zu­hö­ren. Man­che Pati­en­ten beschrei­ben auch eine gewis­se Stei­fig­keit mit oder ohne Schmerz am Mor­gen oder nach einer Ruhe­pha­se. 

Seh­nen über­tra­gen Las­ten vom Mus­kel auf den Kno­chen und ermög­li­chen uns Bewe­gung. Lan­ge „seil­ar­ti­ge“ Seh­nen, wie z.B. die Achil­les­seh­ne, wer­den manch­mal schmerz­haft, weil die­se Kräf­te absor­bie­ren. Stell dir eine Seh­ne wie eine Feder (nicht die vom Vogel, son­dern die Spi­ra­len aus Metall ;-)) oder einen Dämp­fer vor. Man­che Seh­nen, wie z.B. die Achil­les­seh­ne, absor­bie­ren Zug­kräf­te und geben die­se absor­bier­te Ener­gie wie­der frei, wenn wir uns bewe­gen. Ande­re Seh­nen, wie z.B. die Supra­spi­na­tus-Seh­ne in der Schul­ter, absor­bie­ren Druck­kräf­te (Kom­pres­si­on). Die Auf­ga­be der Seh­nen ist es also mit Kräf­ten, die im Kör­per auf­tre­ten umzu­ge­hen. Wenn jedoch die­se Kräf­te exzes­siv wer­den, kön­nen sich Ten­di­no­pa­thien ent­wi­ckeln. 

Grün­de war­um sich Ten­di­no­pa­thien ent­wi­ckeln gibt es vie­le. Man­che die­ser Fak­to­ren kön­nen wir nicht ändern, wie z.B. Alter, Gene­tik und unse­re Kör­per­pro­por­tio­nen. Ande­re hin­ge­gen kön­nen wir jedoch beein­flus­sen, um das Risi­ko zu ver­min­dern, wie z.B. zu viel Akti­vi­tä­ten, wel­che die Seh­ne rei­zen, Über­ge­wicht, zu hohes Cho­le­ste­rin, Hor­mo­ne (Frau­en im Wech­sel haben ein erhöh­tes Risi­ko), schwa­che Mus­keln, bio­me­cha­ni­sche Fak­to­ren wie z.B. Beweg­lich­keit und Bewe­gungs­kon­trol­le. 

Dia­gnos­ti­ziert wer­den Ten­di­no­pa­thien nor­ma­ler­wei­se mit­tels Bild­ge­bung (MRT oder Ultra­schall). Eine patho­lo­gi­sche Seh­ne mit einer Ten­di­no­pa­thie sieht auf einem Bild nicht gleich­mä­ßig schön aus, son­dern es befin­den sich inner­halb der Seh­ne dunk­le­re Stel­len, wel­che auf eine Dege­ne­ra­ti­on inner­halb des Seh­nen­ge­we­bes hin­deu­ten. 

Soll­te man nun besorgt sein, wenn sich eine Ten­di­no­pa­thie am Bild zeigt?

Die­se Fra­ge haben vie­le Pati­en­ten und die Ant­wort ist ganz klar – Nein. Die wich­tigs­te Mes­sa­ge die­ses Arti­kels ist, dass es kei­nen kla­ren Zusam­men­hang gibt zwi­schen Schmer­zen und einer dege­ne­ra­ti­ven Seh­ne (Ten­di­no­pa­thie). Eine Ten­di­no­pa­thie muss also nicht weh tun und durch geziel­tes Trai­ning kön­nen wir eine schmerz­haf­te Seh­ne in eine nicht-schmerz­haf­te Seh­ne umwan­deln. Fol­gen­de Fak­ten sind wich­tig zu wis­sen:

  • Ver­än­de­run­gen im Sin­ne einer Ten­di­no­pa­thie sind auch bei Men­schen ohne Beschwer­den zu fin­den
  • Auch bei ernst­haf­ten Ver­än­de­run­gen kön­nen sich durch das rich­ti­ge Manage­ment (MSK Phy­sio­the­ra­pie) die Schmer­zen ver­bes­sern.
  • Schmerz­haf­te und patho­lo­gisch ver­än­der­te Seh­nen rei­ßen so gut wie nie bzw. nur sehr sel­ten. 

War­um schmer­zen man­che Seh­nen?

Die Ant­wort auf die­se Fra­ge sprengt den Rah­men die­ses Arti­kels. In Kurz­form: Ob unse­re Seh­ne also schmerzt oder nicht ist von vie­len Fak­to­ren abhän­gig. Die­se Fak­to­ren las­sen sich zusam­men­fas­sen in loka­le Fak­to­ren am Ort des Gesche­hens (bio­che­mi­sche Fak­to­ren), dem „Alarm­zu­stand“ unse­res Ner­ven­sys­tems (Alarm­stu­fe Grün – Gelb – Rot), Umwelt­fak­to­ren, und unse­ren per­sön­li­chen Ansich­ten und Erfah­run­gen. 

Was soll­ten wir nicht tun, wenn wir lang­fris­tig unse­re Ten­di­no­pa­thie los­wer­den möch­ten?

Die Ant­wort auf die­se Fra­ge fin­dest du unter die­sem Link:
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s15006-018‑0407‑2.pdf 

Wie kön­nen wir Ten­di­no­pa­thien behan­deln?

In ers­ter Linie soll­ten ALLE Ten­di­no­pa­thie-Pati­en­ten wie folgt behan­delt wer­den:

  • Edu­ka­ti­on: Wis­sen dar­über was los ist, ist ein wesent­li­cher Bestand­teil der The­ra­pie.
  • Trai­nings­the­ra­pie: Die rich­ti­gen Übun­gen, zum rich­ti­gen Zeit­punkt.
  • Modi­fi­ka­ti­on von Akti­vi­tä­ten: Pro­vo­zie­ren­de Hal­tun­gen und Akti­vi­tä­ten anpas­sen. 

In zwei­ter Linie soll­ten MAN­CHE Pati­en­ten The­ra­pien zur Schmerz­mo­du­la­ti­on erhal­ten, wie z.B. Schmerz­me­di­ka­men­te, Hilfs­mit­tel und pas­si­ve Behand­lun­gen durch einen The­ra­peu­ten. Die­se The­ra­pien müs­sen zusätz­lich zu den oben genann­ten The­ra­pien durch­ge­führt wer­den und nicht als allei­ni­ge Inter­ven­ti­on. 

In drit­ter Linie brau­chen nur sehr WENI­GE Pati­en­ten Injek­tio­nen oder Ope­ra­tio­nen. Die­se The­ra­pien müs­sen zusätz­lich zu den oben genann­ten The­ra­pien durch­ge­führt wer­den und nicht als allei­ni­ge Inter­ven­ti­on. 

Das lang­fris­ti­ge Ziel der The­ra­pie soll­te die Stei­ge­rung der Belas­tungs­fä­hig­keit sein, das bedeu­tet, dass die Seh­ne mehr Kräf­te wie Zug und Druck aus­hal­ten kann ohne Schmer­zen aus­zu­lö­sen. Der Weg zum Ziel kann (und soll­te manch­mal) jedoch durch­aus schmerz­haft sein, aller­dings soll­te der Schmerz immer im tole­rier­ba­ren Aus­maß blei­ben. 

Wie errei­chen wir eine Stei­ge­rung der Belas­tungs­fä­hig­keit der Seh­ne?

Zu Beginn soll­test du jene Akti­vi­tä­ten redu­zie­ren, wel­che dei­ne Schmer­zen pro­vo­zie­ren. Die­se wer­den solan­ge redu­ziert bis du dei­ne Belas­tungs­fä­hig­keit der Seh­ne soweit ver­bes­sert hast, dass du die­se Akti­vi­tä­ten tole­rie­ren kannst.

Durch geziel­tes und pro­gres­si­ves Belas­tungs­trai­ning stei­gerst du dann die Belas­tungs­fä­hig­keit. Die­ses Trai­ning soll­te dei­ne Seh­ne von Woche zu Woche (manch­mal alle zwei Wochen oder län­ger) mehr belas­ten, sodass sich die Seh­ne lang­sam anpas­sen kann. Eine Stei­ge­rung von Trai­ning zu Trai­ning ist nicht emp­feh­lens­wert und führt meist unwei­ger­lich zum Rück­schritt in der Reha­bi­li­ta­ti­on. Geduld ist also gefragt.

Im Nor­mal­fall dür­fen die Übun­gen schmerz­haft sein (soll­ten jedoch im erträg­li­chen Bereich blei­ben). Es ist auch in Ord­nung, wenn für 24 Stun­den die Seh­ne etwas mehr schmerzt. Die­se 24-Stun­den-Regel bestimmt ob zu viel oder zu wenig trai­niert wur­de. Soll­te der Schmerz für mehr als 24 Stun­den erhöht sein, soll­te dir dein The­ra­peut soge­nann­te „Fla­re-up Stra­te­gien“ zei­gen, damit du wie­der in dei­nen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess ein­stei­gen kannst.

Hast du dann dei­ne Belas­tungs­fä­hig­keit ver­bes­sert, kön­nen auch dei­ne Akti­vi­tä­ten, wel­che zu Beginn pro­vo­zie­rend waren, LANG­SAM UND STU­FEN­WEI­SE wie­der­auf­ge­nom­men wer­den. 

Was hilft zusätz­lich noch, um mei­ne Schmer­zen zu ver­rin­gern?

Alles was dei­ne kör­per­ei­ge­nen Rege­ne­ra­ti­ons­fä­hig­kei­ten ver­bes­sert. Das sind all­ge­mei­ne phy­si­sche Akti­vi­tät wie zum Bei­spiel leich­tes Aus­dau­er­trai­ning durch Schwim­men oder Rad­fah­ren. Stress­ma­nage­ment durch Ent­span­nungs­tech­ni­ken, Medi­ta­ti­on, Atem­tech­ni­ken oder Yoga (ver­mehr­te Stress­hor­mo­ne im Blut ver­län­gern den Rege­ne­ra­ti­ons­pro­zess um bis zu 40%). Schlaf­ma­nage­ment – sieh zu, dass du zu min­des­tens acht Stun­den Schlaf kommst (auch wenn du natür­lich der eine Mensch bist der nur vier Stun­den Schlaf braucht ;-)) 

Die­ser Text ent­sprang nicht mei­ner Tas­ta­tur, son­dern ist die Über­set­zung eines Edu­ka­ti­ons­blat­tes von Prof. Peter Mal­li­aras, PhD von der LaTro­be Uni­ver­si­tät, Aus­tra­li­en.

Wie du siehst ist die Behand­lung von Seh­nen­be­schwer­den etwas kom­plex (und dann eigent­lich doch nicht…). Das Manage­ment bzw. die Behand­lung von Ten­di­no­pa­thien soll­te von gut aus­ge­bil­de­ten MSK Phy­sio­the­ra­peu­ten betreut wer­den. Trai­nie­ren kön­ne sie nicht für dich, aber sie haben die rich­ti­gen Pro­gres­sio­nen für das jewei­li­ge Level dei­ner Seh­ne parat und das ist der Schlüs­sel zum Erfolg. Such dir also einen MSK The­ra­peu­ten dem du ver­trau­en kannst und der sich mit Ten­di­no­pa­thien aus­kennt. Wir von Per­form Phy­sio sind spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te Phy­sio­the­ra­peu­ten, die sich inten­siv mit dem The­ma Trai­ning und Trai­nings­the­ra­pie aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Die­ses Wis­sen geht über das Stan­dard­wis­sen vie­ler ande­rer Trai­ner hin­aus, da wir auch die Patho­lo­gie und die Wund­hei­lung beach­ten müs­sen, bzw. auch even­tu­el­le Schmer­zen berück­sich­ti­gen. Wir wol­len uns für den Pati­en­ten Zeit neh­men und freu­en uns, wenn sich am Ende der Erfolg ein­stellt. Daher ist auch uns sehr wich­tig, dass DU weißt, was du beim Trai­ning beach­ten musst.

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